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Versteck Dich Beitrag #1 |
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Neuer Benutzer
Registriert seit: 04.04.2004
Ort: Nähe Hannover
Beiträge: 22
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Na egal. *sich einfach mal traut* Versteck Dich Schließ die Augen. Du bist nicht da. Er wird dich nicht finden. Er kommt. Lauf weg, versteck dich. Schnell!Angstvoll weiten sich ihre kindlichen Augen, während sich ihr Puls und ihr Herzschlag beschleunigen. Als ob sie versuchen würde sich zu schützen und um sich selber Wärme zu spenden, schlingt sie ihre Arme um ihren schmalen Oberkörper. Sie friert. Doch nicht körperlich, sondern tief in ihrem Inneren, welches erstarrt und gefriert; sie beginnt in dieser Kälte zu ertrinken. Schnell hält sie ihren wie gehetzt gehenden Atem an und spitzt die Ohren. Er kommt.Sie hört, wie sich der Schlüssel im Schloss herumdreht und gleich wird sich die Haustür öffnen. Sie will nicht wissen, was durch diese Tür kommen wird, will es nicht sehen; alles was sie will, ist sich zu verstecken und in Sicherheit zu sein. Sie will es nicht wissen. Die Neugierde, die alle Kinder in ihrem Alter besitzen, ist ihr schon längst verloren gegangen. Vor langer Zeit. Fast schon vor einer Ewigkeit. Wie lange genau dieser Verlust schon zurückliegt, kann sie nicht mehr sagen; auch das Zeitempfinden ist ihr genommen worden. Die einzige Zeit, die zählt, ist die, wenn er kommt. Dies ist der einzige Zeitpunkt in ihrem Leben, in dem sie lebt. Nur in diesem Moment fühlt sie. Sie hat Angst, doch genau zu diesem Zeitpunkt bemerkt sie, dass sie noch immer am Leben ist. Alles, was passiert, bevor er kommt ist nicht ihr Leben, denn zu dieser Zeit empfindet sie nichts und erlebt alles wie in einem Traum. Erst wenn er kommt, erst dann beginnt ihr Leben und wenn er wieder geht, fällt sie erneut in diesen Traum, den sie wie ein unbeteiligter Zuschauer erlebt. Mit großen Augen betrachtet sie, wie sich die Tür langsam zu öffnen beginnt und plötzlich kommt Leben in ihren Körper. Schnell springt sie auf und stürzt die Treppe hinauf und schließt sich in ihrem Zimmer ein. Ihr Zimmer, das ihr den einzigen wenigen Schutz gegen ihn bietet; ihr Zimmer, ihre einsame Insel mitten im Meer der Angst und des Schmerzes.Ich habe Angst.Angst, dies ist das einzige Gefühl, was sie wirklich kennt, was sie empfinden kann. Doch mischt sich plötzlich noch ein anderes Gefühl unter die Angst; Trauer. Tränen füllen mit einem Mal ihre Augen und lassen diese im Licht der ins Zimmer hereinfallenden Abendsonne glitzern. Sie hat noch nicht oft geweint, weil sie zu sehr Angst hat. Wenn er sie weinen sieht, wird er nur noch wütender und tut ihr nur noch mehr weh. Sie kann ihn unten im Erdgeschoss hören und sie weiß genau, was bald passieren wird. Eine Träne rinnt ihr die rundliche Wange hinab und endet in ihren Mundwinkeln. Schnell leckt sie dieses Zeichen der Schwäche weg und schmeckt den salzigen Geschmack. Für sie ist dies der Geschmack des Schmerzes. Plötzlich hört sie seine schweren Schritte auf der Treppe. Er kommt.Für eine Sekunde überlegt sie, ob sie sich verstecken soll, doch sie weiß, dass es keinen Sinn hat. Er würde sie finden. Er findet sie immer. Nirgendwo kann sie sich vor ihm verstecken, nirgendwo ist sie vor ihm sicher. Sie hat Angst. Doch andererseits freut sie sich ihn zu sehen, denn er ist der einzige Mensch, den sie kennt. Sie hasst die Einsamkeit, in der sie den ganzen Tag über bis zu seiner Heimkehr lebt. Sie liebt ihn, das tut sie wirklich, doch noch viel größer ist ihre Angst vor ihm, die sich immer mehr steigert, je mehr sich seine Schritte ihrem Zimmer nähern. Gleich wird er hereinkommen und gleich wird es passieren. Innerlich richtet sie sich schon auf den Schmerz ein und nimmt sich fest vor nicht zu weinen, wenn es wieder passiert. Mittlerweile füllen auch keine Tränen mehr ihre Augen; er wird ihr ihre Schwäche nicht ansehen können. Und das ist gut so, denn vielleicht wird er sie nach diesem Mal in Ruhe lassen, wenn sie keinen Schmerz und keine Angst zeigt. Möglicherweise wird er sie dann endlich akzeptieren und lieb haben. Doch vorher muss sie es überstehen, aber sie hat sich schon daran gewöhnt. Ihr ganzes Leben lang geht es schon so, sie kennt es nicht anders. Jeden Tag ist es dasselbe nach seiner Rückkehr, jeden Tag der selbe Ablauf. Sie ist bereit, schließlich wartet sie schon den ganzen Tag darauf. Danach wird sie wieder in ihrem Traum versinken können und wird ihr Leben durch einen Schleier betrachten. Distanziert. Teilnahmslos. Nun ist es so weit, er steht vor ihrer Tür. Sie sieht, wie die Klinke der Tür hinabgedrückt wird, hört das Quietschen der schon lange nicht mehr geölten Türangeln. Alles geschieht ganz langsam, wie in Zeitlupe; zieht sich endlos in die Länge. Dann kommt er herein. Groß, so viel größer als sie und so stark. Schon öffnet sich sein Mund und er beginnt sie anzuschreien. Wortlos lässt sie das Gebrüll über sich ergehen und hört nur mit einem Ohr zu. Sie regt sich nicht, widerspricht nicht, ist wie erstarrt. Sie möchte ihm keinen Grund geben ihr noch mehr weh zu tun. Doch er lässt sich von ihrem passiven Verhalten nicht besänftigen, schließlich ist es jeden Tag dasselbe. Auch sie weiß es, aber sie hat zu viel Angst ihr Verhalten zu ändern. Es ist ein Spiel, in dem jeder von ihnen eine Rolle spielt. Jeden Tag aufs Neue, jeden Tag der selbe Ablauf des Stückes. Und sie ist in einer Rolle gefangen, die sie nicht spielen will, aber welche ihr auferlegt worden ist und aus der sie nicht entfliehen kann. Es ist ein Theaterstück, das sich immer und immer wiederholt, solange, bis der letzte Vorhang fällt. Und erst dann wird sie aufhören dürfen ihre Rolle zu spielen; erst dann wird sie glücklich sein dürfen. Nun hört sein Gebrüll auf und sie weiß, was jetzt passieren wird. Mit großen Schritten kommt er auf sie zu und hebt seine Hand. Er ist so groß, so viel größer als sie. Und so stark. Sie wünscht sich so sehr, dass sie ein Mal, nur ein einziges Mal, von seinen starken Armen gedrückt und umarmt wird; beschützt wird vor dem Bösen dieser Welt. Nur ein einziges Mal möchte sie, dass diese Hände ihr nicht weh tun, sondern sie liebkosen und sanft über den Kopf streicheln. Diese Gedanken jagen ihr durch den Kopf, während sein Hand hinabsaust und mit einem harten Schlag schließlich ihr Gesicht trifft. Schmerzt durchzieht ihr Gesicht und betäubt sie. Doch sie weint nicht, denn sie will nicht weinen und sie darf es nicht. Gestern nicht, heute nicht und morgen wird sie es auch nicht dürfen. Und so wird es immer weitergehen, bis sie irgendwann ihrem Leben entfliehen wird. Irgendwann. Immer wieder trifft seine Hand ihr Gesicht, ihren Körper und tut ihr weh. Doch sie bleibt stumm und sagt nichts, denn es würde nichts bringen zu reden; nichts würde es bringen, außer zusätzlichem Schmerz. Nur denken tut sie.Bitte hör auf damit. Bitte tu mir nicht mehr weh. Warum kannst du mich nicht einfach nur lieb haben? Einfach nur umarmen? Was habe ich denn falsch gemacht, warum werde ich bestraft? War ich ein böses Mädchen? Du tust mir weh, bitte hör’ doch auf. Ich hab’ dich doch lieb. Warum hast du mich nicht lieb, Papi? |
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Versteck Dich Beitrag #2 |
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Erfahrener Benutzer
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Hallo Schwarze Perle!
ich bin kein guter Kommentator bei den Kurzgeschichten, dennoch habe ich mir dein Werk vollständig durchgelesen und es ist wie jedes Mal wenn ich solche Thematiken durchlese. Ein tiefer dicker Klos in meinem Hals und der stete Zweifel in mir, ob es im männlichen Geschlecht eine gute Seite gibt. Und selbst wenn, wieviele sollte es geben, die einen positiven Charakter hinter ihrer Ausstrahlung besitzen? Es sind so wenige, denn die von dir beschriebene Szene geschieht viel zu oft in dieser ach so schönen Welt. Aus welchen Gründen auch immer: Vater hatte einen schlechten Tag, das Kind ist Schuld an der Scheidung oder er hat einfach mal wieder zuviel getrunken. Zu oft stellt man sich die ethische Frage, ob es überhaupt noch liebevolle Familienväter gibt oder all das Familienglück noch eine Chimäre ist, die aufrecht erhalten wird, um in der Nachbarschaft ein gutes Bild abzugeben und akzeptiert zu werden. Misshandlung von Kindern ist leider noch immer ein Tabuthema in der Kunst, weil man es nicht so weit kommen darf, so etwas Kunst zu nennen. Es ist einfach eine Schandtat, die bestraft werden muss: und das so hart wie es das Gesetz nuneinmal vermag. Doch leider ist auch der "gute lange Arm" nicht mehr so zupackend, wie in den Tagen zuvor. Mit den Sprösslingen unserer Welt, den Erben unserer Gedanken wird schon lange nicht mehr wirklich gut umgegangen. Wenn man sich die Zahlen in der Welt ansieht überläuft es mich mit Schrecken: 70% aller sogenannten Familien leben in Scheidung, in diesen 70% werden knapp die Hälfte der Kinder Opfer von Gewalttaten. Ich kann leider nur genauso hilflos dreinblicken wie das Mädchen, dass du beschreibst. Denn man ist in dieser Falle gefangen, die Falle des Tabus. Über so etwas wird nicht geredet, noch nicht mal hinter verschlossenen Türen. Ein nicht zu brechender Teufelskreis und das ist etwas, was mir persönlich Angst macht und mich an dem Positiven in der Welt immer wieder von neuem zweifeln lässt. Zur Form deines Werkes möchte ich auch noch ein paar Worte sagen: - Du hast einen sehr starken Anfang, erinnert mich an meinen eigenen Erzählstil. Aggressiv, abgehackt, kaum Zeit für Pausen, viele Kommas die extrem lange Gedankensätze verbinden und somit den Leser an sich binden = sehr schön, ist spannend. - Doch dann kommt der Absatz, wo du von "es geschieht so oft in ihrem Leben" sprichst. Da beinhaltet ein ganzer Absatz eigentlich nur einen einzigen Satz und du drehst dich inhaltlich im Kreis ohne neuen Aspekt = solltest du vermeiden :) - Der Rest ist ein mentaler Monolog des Mädchens und oft genug kam mir als Leser der Gedanke "ich glaube ich weiß, was momentan in ihr vorgeht und was passieren wird". Aber es wird lange nicht gesagt, was passieren wird, so dass der Spannungsbogen erhalten bleibt = sehr gut. Alles in allem ein guter stabiler Text mit einem Gänsehautthema, welches zum Nachdenken und Diskutieren anregt. Deine Ängste sind unbegründet, ist sogar ein guter Einstieg in die Prosakategorie des Dichterboards. Einen schönen Abend noch :) [ BS | MA ] |
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Versteck Dich Beitrag #3 |
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Neuer Benutzer
Registriert seit: 04.04.2004
Ort: Nähe Hannover
Beiträge: 22
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Hallo MasterAdaM!
Es freut mich wirklich, dass du dir meine Kurzgeschichte durchgelesen hast! :) Zu dem, was du zu der Theamtik geschrieben hast, kann ich nicht so viel sagen. Ich habe den Glauben ins männlische Geschlecht noch nicht verloren (Wäre ja auch schlimm. :rolleyes: Bin ja erst 15. :D ) doch trotzdem weiß ich, wieviele schlechte Menschen es auf dieser Welt gibt. Gewalt in der Familie gibt es leider viel zu oft, aber nicht immer sind es Männer, die ihre Kinder misshandeln, sondern es gibt auch Frauen, die ihren ganzen Frust an den armen Kindern auslassen. (Das bekomme ich bei einer sehr guten Freundin von mir mit.) Die Welt ist leider kein Paradies, und die Zahlen, die du hier genannt hast, bestätigen das erneut. :( Doch etwas Positives wird sich auf dieser Welt schon finden; man musss nur danach suchen. ;) Und das habe ich mir zur Aufgabe gemacht. :D Und nun zu dem, was du über die Form meines Werkes gesagt hast: Erstmal vielen Dank für das Lob, ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut! :) Und dann noch vielen Dank für die Kritik, denn diese hilft mir wirklich weiter! Ich will mich schließlich beim Schreiben weiterentwickeln und besser werden, von daher ist Kritik bei mir willkommen (auch wenn ich immer Angst davor habe sie zu lesen. :D ) und gern gesehen. Ich freue mich, dass dir mein Erzählstil gefällt. :) Manchmal versuche ich nicht ganz so abgehackt zu erzählen, aber irgendwie schaffe ich es doch nie damit aufzuhören. :D Auf das inhaltliche im Kreise drehen werde ich in Zukunft achten und versuchen, es zu vermeiden. Auf jeden Fall noch mal vielen Dank für dein Kommentar! :) vlG |
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Versteck Dich Beitrag #4 |
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Erfahrener Benutzer
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Keine Ursache, immer wieder gern.
Ich bin ja bekanntlich einer der "härtesten Kritiker" in diesen Hallen, aber mit einer Spur gesunden Respekt kann auch jeder kritische Kommentar zu seinem Ziel führen. Also bei mir brauchst du keine Angst zu haben, ich weiß, dass da ein Mensch an der Tastatur sitzt und mir versucht mit seinen Texten eine Botschaft zu vermitteln. Und mit diesem Gedanken brauchst du keine Angst vor meinen Kritiken zu haben :) Einen schönen Tag noch. [ BS | MA ] |
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