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Aus dem Leben des Karl von Hugenhaas Beitrag #1 |
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Neuer Benutzer
Registriert seit: 22.04.2010
Beiträge: 4
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Hoffe auf konstruktive Kritik. ![]() 1.Bild: Monolog Ein Klassenraum – die Bücher sind aufgeschlagen und der Lehrer will gerade aufstehen, um eine Aufgabe vorzurechnen. Die Schüler blicken starr nach vorn, nur Karl blickt verträumt, den Kopf auf die Hände gestützt aus dem Fenster. Alles wird dunkel, die Personen erstarren. Scheinwerfer auf Karl. Karl Wieder einer dieser tristen Tage. Draußen hat es regnet. Sonnenstrahlen durchbrechen das graue Wolkenmeer, das den Himmel verdunkelt. Tropfen perlen von den Blättern der Bäume und Pflanzen. Alles sieht so unberührt aus. (Er erhebt sich von seinem Platz, geht herum) Und was tun wir? Wir sitzen in diesem engen leblosen Raum, das grelle Licht der Lampe beißt sich in unsere Augen. Naturwissenschaften, nein, das ist nicht meine Welt. Zahlen, Figuren – schrecklich. Bei all der Rationalität verliert die Welt ihren geheimnisvollen, vielleicht auch etwas pathetischen Charakter (Er geht auf den Lehrer zu, fängt an diesen zu umkreisen). Schaut ihn an, den ach so adretten Herrn Lehrer mit seinem gescheitelten Haar, der kleinen Brille, über die winzige mandelförmig braune Augen herüber blinzeln, das leicht angestaubte karierte Sakko mit der ordentlich zu recht gemachten Fliege. Unsere geistige Elite. Ob er jemals Freude empfunden hat? Ich bezweifle es. (Er geht zum Fenster) Es ist wirklich seltsam – obwohl wir Menschen frei geboren sind, zwängen wir uns in selbstgeschmiedete Ketten und bauen uns einen Käfig, aus dem niemand heraus kann. Ich bin kein Befürworter der Anarchie, doch ich stelle diese aufgesetzte Strenge und Ordnung von Grund aus wirklich in Frage. Der Geist kann sich doch niemals frei entfalten, man verliert die Freude, wird unglücklich und vergeudet seine Zeit mit Dingen, für die man sich nicht begeistern kann. (energisch) Niemals, niemals will ich mich dieser Einöde ergeben. Ich werde meine Leichtlebigkeit so lange es geht bewahren: Singen, Tanzen, Feste feiern, Reisen, Malen, Schreiben – nach Lust und Laune (Er geht wieder zu seinem Platz). Ich tanze eben nach meinen eigenen Regeln. (Er stützt den Kopf auf die Hände und schaut aus dem Fenster) _____ Alles wird wieder hell, Personen bewegen sich wieder Der Lehrer schreibt eine Aufgabe an die Tafel. Karl schaut immer noch aus dem Fenster; ein Schüler meldet sich. Schüler Herr Lehrer, wenn ich sie richtig verstanden habe setzt sich die Figur aus einem gleichschenkligen Dreieck, einem Trapez und einem Halbkreis zusammen, wie komme ich nun nochmal auf den Flächeninhalt? Lehrer (Er schaut in die Runde und bemerkt Karl) Nun vielleicht kann Herr Hugenhaas ihnen diese Frage beantworten. (Karl bemerkt nicht, dass er angesprochen wurde) Lehrer Typisch, Herr von Hugenhaas träumt wohl wieder. (Er geht auf Karl zu) Ein Mitschüler stubst Karl an und deutet auf den Lehrer (Karl erhebt sich) Lehrer (hitzig) Was soll ich bloß mit ihnen machen? Langsam platzt mir der Kragen! Raus! Und begeben Sie sich unverzüglich zum Direktor! (Karl ab, Licht aus) 2. Bild: Besuch Es läutet an der Tür. Man sieht eine Hausbar. Thomas Hereinspaziert, Hereinspaziert! Karl Mein lieber Thomas, es ist schon etwas länger her, dass wir uns gesehen haben. Thomas Tja, mein Guter, du hattest ja kaum Zeit mich hier auf dem Land zu besuchen, seitdem wir hergezogen sind. Karl Das ist wahr, lass dich anschauen. (scherzhaft) Hast aber etwas zu gelegt. Thomas Iwo ein Mann braucht seinen Bauch! Karl (ironisch) Ja, ich bin mir sicher: Das wird die Damenwelt sicherlich sehr begrüßen. Thomas (etwas seufzend) Ach ja…setz dich, möchtest du etwas trinken? Scotch, Whisky? Ich habe auch Branntwein oder Bier! (Er geht hinter den Tresen) Karl (Er setzt sich auf einen Barhocker) Mein Guter, ich muss dankend ablehnen, wir haben doch erst Zwölf, findest du nicht, dass es dafür etwas zu früh ist? (Thomas schüttet sich selbst ein) Thomas (lachend) Iwo, für einen Scotch ist es nie zu früh, (etwas ernster) außerdem mein Guter anders ist‘s hier nicht zu ertragen. (Er trinkt.) Karl Was soll das bedeuten, fühlst dich anscheinend ja nicht so wohl und dabei reden doch alle davon wie blendend es euch hier geht und wie talentiert du Klavier spielst! Thomas (trinkt aus) Ach, hör mir bloß damit auf! Szene stoppt, Scheinwerfer auf Thomas. _____ Thomas Du in deiner wohlbehüteten Welt. Als Diplomatensohn kann man sich hinter dem Herrn Papa verstecken. Du wiegst dich immer in Sicherheit, trittst so selbstbewusst und unbeschwert auf. Karl, du weißt ja nicht, wie schwer es mir damals gefallen ist, von dir weg zu ziehen. Wir waren doch jeden Tag zusammen, haben lauter unnützes Zeug getrieben und waren immer so unverschämt fröhlich. Du hast dich wirklich nicht verändert, immer noch so charmant neckisch wie so oft. Werde erwachsen Karl, werd erwachsen. (greift sich die Flasche Whisky) Nach Vaters plötzlichem Tod mussten wir fast alles verkaufen. (Er trinkt.) Mutter fiel in eine schwere Krise, verlor allen Lebensmut und es blieb alles an mir hängen. Ich muss mit meinen Auftritten das nötige Geld zum Leben verdienen. Das Spielen ist mehr Qual als Freude, mehr Routine als Leidenschaft. Was soll ich denn bloß tun? Ich werde nie an Vater heranreichen, oder seine Rolle einnehmen. Meine kleine Schwester lebt bei Freunden, schon seit Monaten haben wir uns nicht gesehen. (schreit) Und du? Du sitzt hier und blickst mich vorwurfsvoll an. Scheißkerl, hast doch keine Ahnung vom Leben, weißt nichts. Du machst mich krank. (bricht vor ihm wimmernd zusammen) Doch wie gerne würde ich mit dir tauschen, wie gerne. (bleibt für einen Augenblick so, stellt die Flasche weg und kehrt dann auf seinen Platz zurück) _____ Szene geht weiter. Karl (wendet sich zu Thomas) Tommi, pass einfach auf dich auf hörst du! Thomas Mach dir bitte keine Sorgen, mir geht es gut. Darf ich dir wirklich nichts anbieten? Karl Na gut, aber nur, weil wir uns so lange nicht gesehen haben! Gib mir auch einen Scotch. 3. Bild: Gedanken Karl, Peter und Nele sitzen im Wald auf einem Vorsprung und lassen die Beine ins Freie baumeln. Sie rauchen. Nele Wie friedlich unser Städtchen von hier aussieht. Es ist hübsch, kann so bleiben. Karl Aber ich mag nicht bleiben. Peter Und wo wärst du lieber, mein Guter? Nele Paris soll zu dieser Jahreszeit wunderschön sein. Karl (kopfschüttelnd) Nein, nein, ich habe eher an die Staaten gedacht. Nele Du bist mir vielleicht ein Träumer. Amerika – natürlich wäre es fantastisch, aber erstens haben wir kein Geld für überseeische Abenteuer, zweitens noch Schule und drittens wären da noch unsere lieben Eltern, die immer ein Auge auf uns werfen wollen. Karl Manchmal wünschte ich, du könntest ein bisschen enthusiastischer sein. Ein kleines Bisschen nur. (Stille) Peter Hm… ist euch schon mal bewusst geworden, wie leicht man hier herunter fallen könnte. Nur ein kurzer ungeschickter Moment oder ein Sprung und … Nele Peter! Hör auf, du machst mir ein wenig Angst! Peter (belächelnd) Ich mache doch nur Spaß, bei mir brauchst du dir keine Sorgen machen. (Stille) Karl Eigentlich dürfte ich gar nicht hier sein… Peter Wie meinst du das? Wo solltest du denn sonst sein? Karl Vater hat mir verboten euch zu treffen, ihr würdet mich zu sehr von schulischen Dingen ablenken. Nele (seufzend) Ach Karlchen, du bist doch eigentlich ziemlich gut in der Schule, würdest du nur nicht immer die Lehrer herausfordern. Karl Ich fordere sie nicht heraus. Ich kann nichts dafür: In den Fächern, die mir liegen, geben sie mir keine Gelegenheit mich zu beweisen und verschwenden meine Zeit mit Grundschulaufgaben. Und in jenen Fächern, mit denen ich nie Freundschaft schließen konnte, stehe ich irgendwie unmittelbar im Mittelpunkt. Es ist zum verrückt werden. Peter Vielleicht solltest du einmal versuchen nicht immer nur deine Ansprüche durchzusetzen, sondern einfach dem folgen, was man von dir erwartet. Schau mich an, habe von vielen Dingen keine Ahnung, trotzdem bin ich recht gut. Ich denke schulische Ergebnisse und dein wirkliches Leistungsvermögen sind leider grundsätzlich zu unterscheiden. Schule zielt nicht darauf ab, Interesse und Leidenschaft zu fördern. Schule ist vielmehr ein Ort geworden, an dem eigene Anschauung und Potential in der Masse untergehen. Wenn du das wiedergibst, was der Lehrer hören möchte, bist du der Leistungsträger. Hast du eine andere Ansicht, stehst du ziemlich allein da. Ok, vielleicht trifft dies nicht in jedem, dafür aber in vielen Fällen zu. Nele Ich glaube Peter hat Recht, auch wenn sich keiner diese Tatsache eingestehen will. Mögen unsere Schein-Pädagogen es so oft sie wollen bestreiten; es ist nun mal ihr Beruf Wissen zu abzufragen und nicht eigenes Denken anzuregen und Talent zu fördern. Letztendlich ist es nur ein Job. Derjenige der eine gewisse Leidenschaft für seine Arbeit aufbringt, ist auch bei der Ausübung gut. Das sind nur leider die Wenigsten. (Stille) Karl Was gäbe ich drum, einfach nur frei zu sein, keinen Regeln, Erwartungen oder Vorstellungen genügen zu müssen. Wie soll man jemals herausfinden wer man ist, wenn man nie das ausprobieren kann was man möchte. Ich will nicht am Ende meines Lebens feststellen, dass ich so viel hätte erreichen können, indem mir bewusst wird, dass das was ich erreicht habe mich nicht zufrieden stellt. FORTSETZUNG FOLGT... |
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Aus dem Leben des Karl von Hugenhaas Beitrag #2 |
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Neuer Benutzer
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Beiträge: 4
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Nele Was würdest du denn machen, wenn du die Gelegenheit hättest, frei zu sein?
Karl Was ich machen würde, wenn ich frei wäre? (steht auf) (Er tanzt mit Nele) Ich würde tanzen, ich würde meine Gedanken niederschreiben, ich würde auf dem höchsten Gipfel stehen und hinunter schreien „Ich lebe!“…. _____ Szene stoppt. Scheinwerfer auf Nele. Nele Wie traurig! So ein kluger, hübscher Junge. Er könnte Vieles erreichen, erfolgreich sein, nahezu schwerelos durchs Leben gleiten. Doch er ist ein unverbesserlicher Träumer, ein Idealist, eben jemand, der egal, wie unrealistisch die Absicht ist, bis zuletzt daran festhält. Edel aber närrisch. Hoffentlich werden die Niederlagen im Leben, ihm nicht den Mut und die Freude nehmen. Es wäre sehr schade drum. (Pause) Manchmal steckt er auch mich mit seiner Lebhaftigkeit und seinem Übermut an. Ich habe mich noch nie so sicher gefühlt, wie jetzt mit Karl und Peter. Wie unbekümmert und zeitlos. Manchmal wünschte ich mir ein bisschen so, wie sie zu sein. Wäre da nicht das Streben nach Veränderungen: Wir würden für immer die Kinder bleiben, die wir sind. Aber die Uhr tickt weiter. Wir können nicht stehen bleiben. Es gibt doch so viel mehr im Leben, als wir sehen. _____ Karl ….aber am liebsten würde ich Faulenzen! (Er setzt sich) 4. Bild: Der Neue Ein Klassenraum. Die Schüler unterhalten sich. Lehrerin Guten Morgen Klasse. Alle Guten Morgen Frau Riemann. Lehrerin Darf ich vorstellen. Wir begrüßen einen neuen Mitschüler in unserer Klasse. Sein Name ist Michael Pringsheim. Seine Familie ist neu in der Stadt. Aber ich denke Michael kann selbst ein paar Worte sagen. Schülerin 1 (Sie flüstert zu ihrer Nachbarin) Der ist ja süß. Schülerin 2 (flüsternd) Da sagst du was. Kein Vergleich zu den anderen Bauern hier. Michael Danke. Ja, ich bin der Michael. Wir sind gerade hergezogen. Lübecker Straße. Das große Haus mit den vielen Bögen. Vielleicht kennt es ja der ein oder andere von euch. Auf jeden Fall freue ich mich nun ein Teil eurer Klasse zu sein. In diesem Sinne: Auf gute Zusammenarbeit. Lehrerin Gut Michael. Setz dich am besten neben Nele dort drüben. Michael (nickt, geht zu dem freien Platz und setzt sich) Hallo! Nele Schön dich kennenzulernen. Ich bin Cornelia, die Meisten nennen mich nur Nele. Michael Das ist aber ein recht amüsanter Name für eine so hübsche junge Dame. Nele Du bist ebenfalls recht lustig mit deiner etwas veralteten Sprache. Michael Zerbrich dir darüber nicht den Kopf es dient eher der Belustigung. Ich kann auch ganz normal reden. Lehrerin Nele und Michael. Ruhe dahinten. Wir beginnen jetzt mit dem Unterricht. Eure privaten Gespräche könnt ihr auf die Pause verschieben. Michael (erhebt sich, etwas militärisch) Jawohl Frau Lehrerin! Nele (kopfschüttelnd) Na das fängt ja schon gut an. Wenigstens Disziplin hat er ja. (Licht aus.) _____ Pausenklingeln. Karl und Peter unterhalten sich. Peter Na wie war Mathe? Karl Ein regerechter Kampf. Hegemann hatte mich mal wieder direkt ins Verhör genommen, wie ich diesen Typen auch nicht im Geringsten leiden kann. (Nele und Michael stoßen dazu. Sie gehen Arm in Arm.) Karl Ach Nele wen bringst du uns denn da mit? Nele Das ist Michael. Er ist neu in meiner Klasse. Michael Schön euch kennenzulernen. (Er reicht Karl und Peter jeweils die Hand) Nele Ich stoße später nochmal zu euch. Aber jetzt will ich Michael erst einmal das Gelände zeigen. (Sie gehen weiter) Peter (etwas verwirrt) Bis später?! Karl Da hat sich unsere kleine Nele aber einen recht gutaussehenden Burschen angelacht. Peter (erregt) Ja ich sehe es. Karl Was da wohl bei rumkommt. Peter Ach was faselst du wieder. Kommt nichts bei herum. Ist doch nur wieder einer von diesen Schleimern. Karl Vielleicht hast du ja recht. Doch sie scheint mir so vergnügt wie schon lange nicht mehr. Licht aus. 5. Bild: Eifersucht Nele stattet Peter eine kurze Visite ab. Man sieht Sessel mit Beistelltischen. Der Kamin knistert im Hintergrund. Nele Kann ich reinkommen? Peter Ja, natürlich. Du weißt doch, dass du nicht um meine Erlaubnis bitten musst. Schließlich bist du ja keine Fremde. Nele Ich will nur höflich sein. Etwas Förmlichkeit sollte man sich bewahren. Peter Verstehe. Setz dich doch! Nele Danke, aber ich will nur auch einen kurzen Besuch bleiben. Peter Nein, bitte, wenn du schon da bist, dann nimm dir wenigstens die Zeit um Platz zu nehmen. Nele Na schön. Peter Ist doch gleich ein wesentlich angenehmeres Bild. Wie geht‘s dir? Bist schon etwas länger nicht mehr vorbei gekommen. Nele Ach, mir geht es recht gut. Ist viel los zurzeit. Wie du weißt, stehen die Jahresprüfungen an. Jeder ist etwas angespannt. Ich bin wirklich froh, wenn diese lästigen Arbeiten vom Tisch sind. Peter Das kann ich nur zu gut verstehen, bin ja auch mitten drin. Aber wie du mich kennst, gebe ich nicht allzu viel auf diese Prüfungen. Ich suche mir im Moment ein neues Quartier. Sind die Prüfungen erst mal vorbei, heißt es raus von zu Hause. Ich kann es kaum erwarten endlich auf eigenen Beinen zu stehen. Ich liebe meine Eltern, aber sie nehmen mich einfach nicht ernst genug. Ich denke es ist eine gute Idee, sich jetzt schon mal auf die Selbstständigkeit vorzubereiten. Nele Ach Peter, ist das schon wieder einer deiner spontanen Einfälle? Ich kann dir zwar nicht so ganz glauben, aber ich lass es gerne darauf ankommen. Bin sehr gespannt, ob du deine Pläne wirklich umsetzt. Peter Wieso kannst du mir eigentlich nie glauben? Erinnere dich. Letztens, als ich dir erzählte, dass ich nach Prag reisen werde, hast du mir nur belächelnd einen schönen Tag gewünscht. Erst nachdem du tagelang vor verschlossenen Türen standest, hast du gemerkt, dass das kein Witz war. Und dann hast du behauptet, ich hätte dich reingelegt. Nele Wie ich dir letztens schon gesagt habe, kann ich mit diesem ironischen Unterton, den du dir neuerdings zugelegt hast nicht viel anfangen. Da brauchst du dich nicht über Missverständnisse zu wundern. Doch ich will heute nicht so ausführlich werden. (gähnt) Ich bin echt ziemlich müde. Peter Du gehst? Nele Ich werde mich auf den Weg machen. Peter Also direkt nach Hause und ab ins Bett. Nele Nicht wirklich. (Stille) Peter Das heißt? Nele Ich gehe noch bei Michael vorbei. Nur auf ein Wort. Peter Auf ein Wort also? Du meinst wohl eher die stundenlangen Gespräche, die du ja jetzt schon seit Tagen jeden Abend mit ihm führst. Nele Warum regst du dich eigentlich auf? Peter Was hat er eigentlich so interessantes an sich? Die wenigen Tage, die du bei mir warst, hatte ich das Gefühl, als würdest du wie auf heißen Kohlen sitzen. Nele Ich verstehe dein Problem nicht. Ich verbringe eine ganze Menge Zeit mit dir und Karl. Michael kommt erst spät nach Hause. Da er so, wie du und Karl, ein Freund von mir ist, ist es doch verständlich, dass ich ihn auch sehen will. Peter Du kennst ihn doch erst seit ein paar Wochen. Findest du nicht, dass es sich da noch nicht ziert mit einem flüchtigen Bekannten Abend für Abend zu verbringen? Nele Ich mag ihn nun mal. Er ist charmant, witzig und aus gutem Hause. Peter Du liebst ihn? Nele Ja, ich liebe ihn. So, wie ich dich liebe. Peter Und weshalb fühlst du dich scheinbar unwohl in meiner Nähe? Habe ich dir etwas getan? Ich kann mich nicht erinnern? Was steckt hinter diesem Verhalten? Nele Ich habe nie behauptet, dass ich mich unwohl bei dir fühle. Nun ist es so, dass ich das Gefühl habe, dass du ein Problem mit Michael und mir hast, wenn wir zusammen sind. Also dachte ich es sei das Beste dir etwas Freiraum zu lassen. FORTSETZUNG FOLGT... |
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Aus dem Leben des Karl von Hugenhaas Beitrag #3 |
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Neuer Benutzer
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Beiträge: 4
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Peter (unterbricht sie) Und wieso kannst du mich nicht fragen? Du hast mir keine Chance gegeben, um
darüber zu reden. Immer nur Michael, Michael, Michael. Langsam langt mir dieser falsche Schönling gewaltig. Nele Wieso schiebst du die Schuld nun auf ihn? Peter Ich mag dich etwas fragen! Nele Ich höre! Peter Ich hoffe du bist ehrlich. Nele Wieso sollte ich das nicht sein. Peter Hat dir Michael gesagt, dass du den Kontakt zu mir abbrechen sollst? Nele Sag mal Peter, wie kommst du eigentlich immer auf diese absurden Theorien? Ich bin ja wohl reif genug, meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Peter Und wieso verletzt du mich dann so? Immerhin verbindet uns eine tiefe Freundschaft. Aber seitdem dieser Habicht bei uns lebt, ist nichts mehr wie gewohnt. Nele Wunderschön. Eine fabelhafte Eifersuchtsszene Peterle. Von meiner Seite aus gibt es nichts wofür ich mich rechtfertigen müsste. Karl und du seid meine engsten Freunde und daran wird sich auch nichts ändern. Du musst eben akzeptieren, dass ich auch andere Freunde neben euch habe. Peter Es geht mir nicht darum, dass du auch andere Freunde hast. Da bist du im Übrigen nicht die Einzige. Ich mag es nur nicht, wie du ihn ansiehst. Es scheint, als sei deine Liebe für ihn eine andere als die, die du für mich empfindest. Nele Ja, ich leugne es nicht. Vielleicht, ist es eine andere Liebe, die uns verbindet. Aber Freund bleibt Freund. Peter In wie fern? Nele Ich fühle mich im Moment wirklich nicht dazu angeregt, dir den Unterschied zu erklären. Er ist und bleibt ein Freund, ein wirklich Guter noch dazu. Peter Ach ja, (ironisch) das klingt sehr logisch. Nele Ich gehe jetzt, sonst wird es noch zu spät. Hör auf dir irgendwelche Szenarien auszudenken, Peterle. Wir sehen uns Morgen. Gute Nacht. (Nele ab.) Peter Warum kann sie nicht einfach mich lieben? Aber scheinbar bin ich unsichtbar. 6. Bild: Liebe Michael und Nele sitzen in einem Park auf einer Bank. Michael Was für ein seltsames Gefühl. Jedes Mal, wenn ich dich berühre, fühle ich mich irgendwie komisch. Es ist so als würden tausend kleine elektrische Impulse in mich einkehren. Ich bin so voller Leben, wie eine aufgeladene Batterie. Was ist bloß los mit mir. So etwas habe ich niemals zuvor gefühlt. Nele (verlegen) Vielleicht hast du mich ja einfach nur sehr gern. Michael Vielleicht. Ich bin etwas verwirrt. Kann gar nicht glauben, dass wir vor wenigen Wochen noch Fremde füreinander gewesen sind und jetzt kann ich es gar nicht erwarten, dass der Tag zu Ende geht, um dich am Abend wiederzusehen. Nele Du bist wirklich ein Charmeur. Ich hoffe nur, dass du auch meinst, was du mit wehmütigem Blick gesagt hast. Michael Kannst du etwa an meinen Worten zweifeln? Nele Sie klingen so unwirklich. Michael Unwirklich also? Nele Es ist wie ein Traum. Vielleicht. Träume ich? Michael Ich kann dir versichern, dass ich ganz real bin und du nicht in einer Traumwelt lebst. Meine Worte sind so wirklich, wie die dich wärmenden Strahlen der Sonne. Nele Sie kommen von Herzen? Michael Ja, natürlich. Ich habe etwas für dich. Es ist mir nur zufällig begegnet, aber irgendwie habe ich sofort an dich denken müssen. Nele Was ist es denn? Du machst es sehr spannend. Michael Nur eine Kleinigkeit. (zieht einen Rosenkranz aus der Tasche) Bitte nimm es an. Nele Er ist so hübsch. Vielen Dank! (umarmt ihn) Michael (legt ihr die Kette an) Wie unschuldig du mit dem Kranz doch aussiehst. Nele Ich liebe dich. Michael Wie glücklich macht es mich diese Worte aus deinem Munde zu hören. So oft habe ich diesen Augenblick in Gedanken gehabt, aber nun ist er wahr geworden. Was gibt es Schöneres als die erwiderte Liebe. Nele Du liebst mich also auch? Michael Natürlich wie könnte ich anders. Du bist so wunderbar, dein Wesen erstrahlt in einem so hellen Schein, dass mich eine nie gespürte Sehnsucht ergreift. Ja, ich glaube du bist für mich das Licht. Nele Du machst mich so glücklich. Es ist unfassbar. Michael Darf ich dich küssen? Nele (anstelle der Antwort gibt sie ihm einen Kuss) Michael (grinsend) Wie warm mein Herz geworden ist. Es ist so ungewohnt. (schaut auf die Uhr) Es ist schon spät, ich denke es wäre besser, wenn wir jetzt gehen würden. Nele (erschrocken)Oh nein, ich habe die Zeit ganz vergessen (widerwillig) aber ich will nicht gehen. Ich wünschte, dass nur für heute Abend die Zeit stillstehen könnte. Michael Was sollen wir denn machen. Der Herr Papa wird sich noch sorgen machen, wenn du nicht zeitig daheim bist. Nele Mutter und Vater sind heute kurzerhand verreist. Sie kommen erst morgen Abend zurück. Das Hausmädchen schläft recht früh und sehr tief. Manchmal hört man sie sogar außergewöhnlich laut schnarchen. (lacht) Michael (freudig) Dann kann ich dich ja später noch besuchen. Nele Ja, heute kannst du zur Abwechslung vorbeikommen. Ich lasse das Fenster hinten zur Küche hin auf. Michael Fenster? Nele Die Türe knarrt ein wenig, es würde zu viele Geräusche machen. Michael Na gut für dich klettre ich gerne durch das Fenster, (höhnisch) wie ein Einbrecher. Nele (streckt die Zunge heraus) Szene stoppt, Scheinwerfer auf Michael. Michael Was ist das bloß für ein Gefühl, dass mich urplötzlich ergreift, wenn ich in ihrer Nähe bin? Was für eine immense Sehnsucht unerwartet mein Herz umgarnt. Bei dieser ganzen Schwärmerei muss ich mir schon manchmal das Lachen verkneifen. Immerhin sind meine Worte mehr Spaß oder selbstironisch, als ernst meint. Wer muss denn nicht höhnisch Grinsen, wenn er sowas hört wie: „Meine Worte sind so wirklich, wie die dich wärmenden Strahlen der Sonne“ oder „Dein Wesen erstrahlt in einem so hellen Schein, dass mich eine nie gespürte Sehnsucht ergreift“. Bla bla bla… Also kitschiger geht es wohl nicht. Aber man soll mich nicht falsch verstehen: Ich verehre die Romantiker. Mit ihrer Wortmalerei und den surrealen Gedanken. Da erscheint selbst die banalste Tat in einem anderen Licht. Vielleicht versuche ich ja vergeblich mich ihnen zu nähern. Immerhin ihr mag es wohl zu gefallen. So schlecht finde ich das ja nicht. Aber spricht diese Tatsache, dass sie in sinnlosen Phrasen ernste Worte sieht, nun für sie? Ich weiß es nicht. Was ist es nur um diese Liebe von der jeder schwärmt und spricht? Die so kraftvoll, elegant, so launisch oder schmerzend sein soll. Schon Platon hatte sich mit dieser Frage geplagt. Zahllose Theorien stellte er auf und verwarf sie wieder. Letztendlich kommt er zu dem Schluss, dass der Grund für all das Verlangen das Streben des Sterblichen nach Unsterblichkeit ist. Das Ich erzeugt eine neue junge Form von sich selbst bevor es vergeht, denn das Ich bleibt niemals dasselbe es verwandelt, verwelkt und erneuert sich. Ein Kreislauf der jedoch nicht ewig ist. Es bleibt eben ein Versuch. Liebe, Reproduktion, der reine Selbsterhaltungszweck. Vielleicht sollte man sich diesem natürlichen Zyklus entgegenstellen und auf die Liebe verzichten, wenn es doch nur um die Unsterblichkeit geht. Aber die Versuchung bleibt wie immer einfach zu groß. Jede Gelegenheit ausnutzen. Wir sind doch auch nur Menschen. Wieso also auf all die Süßen des Lebens verzichten? Am Ende sterben wir doch eh, da ist es auch egal, ob wir das Leben genossen haben oder nicht, oder? (Michael ab) FORTSETZUNG FOLGT... |
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Aus dem Leben des Karl von Hugenhaas Beitrag #4 |
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7. Bild: Atemlos
Eine dunkle Häusergasse. Man sieht vereinzelte Lichter. Peter unterhält sich mit einem gruselig aussehenden buckligen Mann. Peter Ich gebe euch 100 als kleinen Ansporn. Den Rest bekommt ihr, wie abgemacht, später. Mann 100? Machs wohl ‘n paar Scherze Kleener. Das Doppelte is Minimum. Sons kanns dir wen annars suchen. Peter Schon gut. Da haste die 200. Wir treffen uns dann um Mitternacht wie verabredet. Und keine Schlampereien, klar?! Mann (zählt begierig die Scheine) Jaja, is jut Kleener. (Beide ab. Licht aus.) ___ Michael Ich bin ja mal gespannt, was du so dringendes zu sagen hast, dass du mich zu dieser Stunde in den scheinbar ab gelegensten Winkel dieses Dorfes rufen musst. Da könnte man gleich den Verdacht haben, dass du mich um die Ecke bringen willst. Peter (etwas blass) Du machst ja vielleicht makabere Witze. Aber gut dich zu sehen, ich hatte schon befürchtet, dass du mich versetzt. Michael Dein Anruf hat mich etwas ungünstig erreicht. (wischt sich etwas Lippenstift von der Wange) Aber, ich bin so bald aufgebrochen, wie es mir möglich war. Peter Wie dem auch sei, nun bist du ja letztlich angekommen. Michael Gut, und was soll ich jetzt hier? Peter Komm mit, ich will dir etwas zeigen. Ich habe so viele Gedanken über diese Angelegenheit verschwendet und am Ende bin ich zu der einzig annehmbaren Lösung gekommen. (Sie verschwinden hinter dem Bühnenvorhang/ man hört nur die Stimmen) Michael Was ist es denn? Die einzige Lösung? Wovon sprichst du? Peter Dein Tod. (Ein dumpfer Schlag. Stille.) Peter erscheint wieder auf der Bühne. Peter Es ging so leicht. Nur ein schwerer Schlag auf den Kopf und schon er war bewusstlos. Am Ende wird immer abgerechnet: Du bekommst, was dir gebührt. Sie das Kind und du den Tod. (Peter ab.) 8. Bild: Entscheidung Einige Tage später. Karl steht auf dem Versammlungsplatz. Er redet mit sich selbst. Karl Es reicht. All die Jahre war ich der Außenseiter, ein unverbesserlicher Tunichtgut. Nein, ich war ein gefesselter Rebell, ein Gefangener. Man hat mir nie viel zugetraut. „Der Junge ist unterfordert“ meinte Mutter mich verteidigend. Vater antwortete nur kühl: „Du meinst wohl eher überfordert Elisabeth. Aus dem wird noch nichts mehr. Zu verwöhnt von all dem Luxus, für den ich hart arbeiten musste[…]“. Ja, ich habe sie belauscht an jenem Abend, als man sich für ungestört hielt. Keiner von ihnen hat mir zugehört. Hätten sie mir doch einmal ihre Aufmerksamkeit geschenkt, sich mit mir auseinandergesetzt, ich bin mir sicher ich wäre ein anderer geworden. Aber gab es jemanden der mich ernst nahm? Peter, vielleicht Nele? Ja, manchmal waren sie da, doch bis heute bin ich mir nicht sicher, ob sie mich wirklich verstehen. Sie sind doch noch dieser Welt Untertanen. Dieser intoleranten Gesellschaft mit samt all den Pseudogelehrten, die nur auswendig lernen, statt selbst zu forschen. Wie einfach sie doch zu kontrollieren sind und sie merken es nicht einmal. Sie dürfen allesamt herzallerliebst zur Hölle fahren. Ja, wie gern würde ich sie persönlich zum Teufel schicken, ihnen langsam ganz zart und vorsichtig das Genickbrechen. Oh, was für ein Vergnügen ich kann es recht deutlich vor mir sehen. Ach ja, recht amüsant, recht amüsant. Wenn ich auch an unseren lieben Michael denken muss, dieser Idiot. (Irre) Zum Todlachen, wirklich zum Schreien. Hübsch war er ja. Aber musste er gleich die Rolle des olympischen Narziss spielen? Zum Kotzen. Wie gleitet mir doch der süße Geschmack des Triumphes die Kehle hinab, wenn ich an sein Ende denken mag. Ermordet und nackt an einen Baum geknüpft fand ihn ein Bauernjunge, der morgens durch den Wald ging um Feuerholz zu holen. Wie musste ich mich beherrschen, als ich in das zerschnittene Gesicht blickte. (Lachend) Ach ja, Schönheit ist nun mal vergänglich. Für alles im Leben gibt es einen Preis. Die animalische Lust hat ihn dahin gerafft. Ich habe mich selten so amüsiert (wischt sich eine Träne aus dem Auge). Bürger 1 Seht mal der Junge dort drüben Bürger 2 Seltsamer Bursche redet ganz mit sich allein Bürger 3 Vielleicht sollten wir nachschauen ob es ihm gut geht Karl Was wollt ihr? Verschwindet! Wieso sagt ihr mir alle, ich würde überreagieren? Weshalb wollt ihr mich nicht einfach verstehen? Es ist doch so einfach, nichts Großes dabei, mir Freiraum zu gewähren. Bürger 2 Haltet ihn er ist übergeschnappt. Ein Ring aus Menschen bündelt sich um den Protagonisten, dass er fast in der Menge untergeht. Plötzlich fallen mehrere Schüsse…. Panik breitet sich aus – mehrere Verletzte darunter auch Karl. Bürger 1 Was war das? Bürger 3 Irgendein Irrer hat auf uns geschossen! Wahrscheinlich ein Wachmann. Los, nichts das wir hier wegkommen. Bürger 1 Aber wir können den Jungen doch nicht hier lassen (versucht ihn allein wegzuschleifen) Bürger 3 (mürrisch) Du bringst uns alle beide um! (Hilft ihm, sie verschwinden hinter dem Vorhang) 9. Bild: Wahrheit Eine Bühne. Dunkel. Scheinwerfer in eine Ecke. Sprecher Und nun kommen wir zu unserem Highlight des Abends. In einer Woche verkaufte er über 250.000 Platten allein in Deutschland. Damit hat er direkt Gold abgeräumt. Er ist gerade eben aus Mailand eingeflogen, wo er schon an neuen Aufnahmen arbeiten soll. Meine Damen und Herren ich darf ihnen präsentieren: Thomas Mendelson. -Applaus- Thomas erscheint am Flügel. Beginnt zu Spielen. Szene stoppt nach wenigen Momenten. Thomas Vor einigen Monaten noch wusste ich nicht, was der Tag bringen würde. Ich war einfach wie gefesselt. Wollte so viel schaffen, aber mir fehlte die Energie. Vertrauen muss man haben. Weiß doch jeder, dass das ein oder andere Schnäpschen die Kreativität anregt. Da fiel das Klimpern gleich viel leichter. Konnte ja nicht ahnen, dass der Fremde, mit dem meine Tante in unserem Haus gastierte ein befreundeter Talentsucher war. So kommt Eines zum Andern. Ja, heute erreicht man alles über Kontakte, da braucht man gar nicht erst besonders talentiert sein. Aber das ist eigentlich nichts Neues. Der Dümmere in seiner Illusion versucht es immer erst ganz allein. (Licht aus. Das Klavierspiel verhallt.) ______ Scheinwerfer richtet sich auf eine andere Ecke. Peter und Nele in der Stube mit dem Kindchen auf dem Arm. Nele Wie froh ich bin, alles ist wieder so schön friedlich, wie damals. Peter Ja, endlich sind wir eine Familie geworden und dem Knaben geht es auch prächtig. Nele Welchen Namen soll er bloß tragen. Er ist schon ein paar Tage alt, aber einen endgültigen Namen haben wir noch nicht gefunden. Peter Wir taufen ihn auf die Namen der Großväter Johann Caspar. Nele Nein, ich denke er sollte Karl heißen, das sind wir unserem Freund schuldig. Peter Na gut, wenn du es unbedingt willst. Hoffen wir nur, dass er nicht so aufsässig wird, wie das Original. In dieser Zeit können wir Rebellen nicht gebrauchen. Nele Alles eine Frage der Erziehung. Peter Also wird er auf den Namen Karl Johann Caspar Hinrichs getauft. Nele Das soll sein Schicksal sein. (Sie küssen sich. Licht aus.) ______ Scheinwerfer richtet sich auf ein Krankenbett in der Mitte. Eine Alte, erst kniend, erhebt sich schwerfällig Großmütterchen Ach mein liebes Karlchen. Was hast du denn nun wieder angestellt? Schon als junger Bengel konnste dich nicht zügeln. Bist eben ein recht sensibles Jüngelchen gewesen. Aber das hier geht wirklich zu weit. Ich hoffe da schämst dich ordentlich. Aber wenigstens gibste jetzt a mal ruh. Unser eins durfte vor Jahrhunderten seine Tage mit Träumen vergeuden. (seufzt) Jetzt musst de zuschaun. Eine ganze Weile lang. Der Arzt sagt, dass man nicht genau weiß, ob und wann du wieder aufwachen wirst. Aber jetzt haste doch den Frieden nach dem du dich so lang gesehnt hast. Schlaf ruhig weiter, mein Bengel. Schlaf. (Großmütterchen ab.) [Ende] |
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